Von Wolfgang Schorlau
Nachmittags erschien Claudia in unserer
Wohngemeinschaft. Ich weiß nicht mehr,
wer sonst noch dabei war und warum sie
gekommen war, ob sie einen Rock trug
oder eine Hose. Ich erinnere mich nur
noch an ihre Bluse. Sie war durchsichtig,
und Claudia trug nichts darunter.
Diese Situation warf zwei grundle-
gende Fragen auf. Zunächst: Wie verhalte
ich mich? Selbstverständlich war ich
(nach Lektüre von Günther Amendts „Sex-
front“) Anhänger der Theorie der freien
Liebe. Praktisch hatte ich jedoch zu mei-
nem Bedauern auf diesem Gebiet keine
Erfahrungen. In der Theorie hätte ich mich
in dem Moment so unbefangen verhalten
müssen wie Claudia, die sich in der WG
mit hinreißender Natürlichkeit bewegte.
In der Realität war alles anders.
Wir befinden uns in den späten sechzi-
ger Jahren. Der berüchtigte Kupplerpara-
graf galt noch, der jeden mit drastischen
Strafen bedrohte, der unverheiratete Paare
in seiner Wohnung übernachten ließ. Ehe-
männer konnten nahezu beliebig über Kör-
per, Vermögen und Verhalten „ihrer“
Frauen bestimmen. Es herrschte eine Sexu-
almoral, wie sie heute nur noch von Eva
Herman und einigen ostanatolischen Ein-
wanderern vertreten wird. Und da auf
einen groben Klotz ein grober Keil gehört,
forderten wir damals die freie Liebe. Doch
an diesem Tag merkte ich, dass sie ihre
eigene Doppelmoral hervorbrachte.
Denn während ich mich gezwungen
ungezwungen verhielt, als sei Claudias
durchsichtige Bluse normal, schwitzte ich,
stammelte unsinniges Zeug, versuchte den
trockenen Mund zu befeuchten und die
Augen unter Kontrolle zu halten.
Die zweite Frage, die sich an diesem
Nachmittag in aller Schärfe stellte, war
eine politische. Zwischen 1966 und 1969
absolvierte ich in Freiburg eine kaufmänni-
sche Lehre. 1968 demonstrierten die Stu-
denten gegen eine Fahrpreiserhöhung,
und ihnen galt sofort die Sympathie der
Jugend. Ich erinnere mich, dass mir einer
der Studenten, der morgens vor der Berufs-
schule Flugblätter verteilte, erzählte, wie
toll Schulwesen und Gesundheitsfürsorge
in Kuba organisiert seien. Zu dem Zeit-
punkt verstand ich mich mit meinem Lehr-
herrn ausgezeichnet, und so schwärmte
ich ihm bereits am Nachmittag von Kuba
vor – die restliche Lehrzeit wurde bitter.
Ich schloss mich einer der damals
entstehenden Freiburger linken Lehrlings-
gruppen an, in der auch zwei Studenten
mitwirkten, die im Ruf standen, Trotzkis-
ten zu sein. Bald schon hieß es, unsere
Lehrlingsgruppe sei „trotzkistisch“.
Die politische Frage, die Claudias Be-
such aufwarf, lautete für mich so: Warum
kann der Trotzkismus nicht Frauen begeis-
tern, die durchsichtige Blusen tragen, son-
dern nur Jungs wie in unserer Gruppe?
Claudia, die als Bauzeichnerin in die Lehre
ging, hatte sich nämlich einer Gruppe
angeschlossen, die als maoistisch galt. Nun
las ich also die ausgezeichnete Trotzki-
biografie von Isaac Deutscher und Trotzkis
Schriften. Mir gefiel nicht, dass er die
Kronstadter Arbeiter und Matrosen nieder-
metzelte, die sich mit guten Gründen den
Bolschewisten entgegenstellten, und – end-
lich hatte ich einen Grund gefunden, um
in Claudias Gruppe zu wechseln.
Doch letztlich stand mehr dahinter:
Ich war damals wie ein ausgetrockneter
Schwamm. Ich wusste wenig über Politik,
Geschichte, Soziologie. Als ich aus meiner
kleinen Geburtsstadt nach Freiburg kam,
wunderte ich mich, warum es hier wie
dort einen Friedrich-Ebert-Platz gab. Ich
hatte keine Ahnung, wer das war. Mehr
noch, ich hatte nach neun Jahren Grund-
und Hauptschule noch nie gehört, dass es
eine Weimarer Republik gegeben hatte.
Und nun gab es Lehrlingsschulungen, in
denen ein leibhaftiger Geschichtsprofessor
mit uns die Werke von Franz Mehring las.
Die besten Volkswirtschaftsstudenten
schulten uns in Marx’ „Kapital“ und gleich
auch in den Schriften von Max Weber und
Adam Smith. Mir schien es, als würden die
linken Studenten ein Fenster zu einem
Reich aufstoßen, das mir sonst für immer
verschlossen geblieben wäre.
Und Claudia . . . nun ja, das ist die an-
dere Geschichte.
Wolfgang Schorlau, geboren 1951, ist
Schriftsteller. Im Mai erscheint sein neuer
Kriminalroman „Brennende Kälte“ – der
vierte Fall seines Privatdetektivs Dengler.
Mein Weg
zu Mao
In der deutschen Debatte über die Kinder-
betreuung geht es schon mal hoch her.
Rabenmütter, Herdprämie, Kinderver-
wahranstalt – oft ist das Vokabular nicht
eben von Sachlichkeit geprägt. Dabei
lässt sich über das Thema auch nüchtern
reden. Dafür wirbt die Münchener Ent-
wicklungspsychologin Fabienne Becker-
Stoll. Julia Schaefer hat die Leiterin des
Bayerischen Instituts für Frühpädagogik
befragt, welche Bedingungen für Kinder
und Eltern sinnvoll sind.
Wie können wir bei der Frage nach einer
geeigneten Betreuung von Kindern über
das Verfechten von Lebensmodellen hinaus-
kommen, um für Kinder und Eltern eine
gute Perspektive zu finden?
Die Debatte wird ideologisch geführt ohne
dass das Kind mit seinen Bedürfnissen im
Mittelpunkt steht. Es ist höchste Zeit, das
Schwarz-Weiß-Denken hinter uns zu lassen.
Wir müssen uns um qualitativ gute Entwick-
lungsbedingungen für Kinder kümmern. Da-
bei darf den Müttern nicht der Schwarze
Peter zugeschoben werden. An Mütter wer-
den maximale Ansprüche bei minimaler Un-
terstützung gestellt. Frauen sollen alles aus-
halten! Anstatt uns von diesem Anspruch zu
befreien, beißen wir die Zähne zusammen –
ich glaube, das ist ein typisch deutsches
Phänomen. Die ganze De-
batte ist doch verlogen: Es
kann einem Kind nur so
gut gehen, wie es seiner
Mutter geht. Wir müssen
die Diskussion gesamtge-
sellschaftlich und politisch
völlig neu führen. Wir soll-
ten uns endlich von dem
„entweder Mutter oder
Krippe“ befreien und zu ei-
nem „sowohl als auch“ fin-
den. Was wir brauchen, ist eine flächen-
deckende, kostenlose und qualitativ gute
Ganztagsbetreuung – davon profitieren alle.
Welche Voraussetzungen brauchen Kinder
für eine gesunde Entwicklung?
Ein Kind braucht schon vor dem dritten
Lebensjahr unbedingt Kontakt zu anderen
Kindern und Erwachsenen. Bei einem Säug-
ling geht es zunächst um die Befriedigung
seines Bedürfnisses nach Bindung und Sicher-
heit. Die Bindungsperson ist der sichere Ha-
fen, von dem aus das Kind die Welt erkunden
kann. Aber schon im Alter von achtzehn
Monaten braucht ein Kind die Möglichkeit zu
entdecken, zu forschen und sich mit anderen
Kindern auszutauschen.
Und welche Rahmenbedingungen benöti-
gen Mütter für die Erziehung?
Genauso wichtig ist es, dass die Mutter
nicht alleingelassen wird. Früher waren
Mutter und Kind in der Regel in eine
Großfamilie eingebunden. Heute ist es
dagegen keine Seltenheit, dass eine Mut-
ter in einer Zweieinhalbzimmerwohnung
mit ihrem Baby alleine ist und Gefahr
läuft, isoliert zu werden und an einer
postnatalen Depression zu erkranken.
Die Rate klinisch behandlungsbe-
dürftiger Depressio-
nen bei jungen Müt-
tern liegt bei drei-
ßig Prozent.
Wie kommt
es denn zu die-
ser hohen Zahl?
Und welche Folgen
hat sie?
Diese Zahl resultiert auch aus der
Diskrepanz zwischen Anspruch und
fehlender Unterstützung. Die Mutter
kann dem Kind nur so viel an feinfühli-
ger Unterstützung bieten, wie sie an
eigener emotionaler Unterstützung
durch ihren Partner und ihr Netzwerk
erfährt. Es ist von der Natur einfach nicht
vorgesehen, dass eine Mutter mit ihrem
Baby allein auf sich gestellt ist. Wenn man
eine Rhesusaffenmutter mit ihrem Baby ein-
sperrt, dann fängt sie an das Kind zu misshan-
deln. Nur in unserer westlichen Kultur lässt
man Mütter mit ihrem Baby so alleine. Bei
Naturvölkern – zum Beispiel in Papua-Neu-
guinea – gibt es Frauenhäuser, wo die Frauen
nach der Geburt ihres Kindes sechs Wochen
lang verwöhnt werden. Man hilft den Müt-
tern, für ihr Baby dazu sein. Eine gute Kita
oder Tagespflege kann für Mutter und Kind
eine entlastende Familienerweiterung im
Sinne einer Großfamilie darstellen. Es lohnt
ein Blick nach Frankreich: Der Staat leistet
sich für Kinder ab zweieinhalb Jahren eine
flächendeckende, ganztägige und kostenlose
Bildungsbetreuung – die Ecole maternelle
wird von 99,9 Prozent der Bevölkerung ange-
nommen.
Sie sprechen von Bildungsbetreuung; häu-
fig ist Bildung jedoch erst ab der Schule ein
Thema. Warum ist Bildung schon im Klein-
kindalter von Bedeutung?
Wenn wir Bildungschancengleichheit in unse-
rem Land wollen, dann müssen wir am
Anfang beginnen. Wir wissen, dass bei Schul-
eintritt die Hauptprobleme im Bereich der
Sprache liegen. Die Sprachentwicklung be-
ginnt aber nicht erst im Schulalter, sondern
schon in den ersten Lebensmonaten. Wenn
wir allen Kindern eine erfolgreiche Bildungs-
biografie ermöglichen wollen, dann müssen
wir die kostbaren Jahre der Weichenstellun-
gen im Gehirn nutzen. Wir brauchen zu dem
quantitativen Ausbau der Krippen unbedingt
eine Investition in die Qualität.
Die frühe Kindheit ist die sensibelste Phase
für eine gesunde Entwicklung. Warum sind
die ersten Lebensjahre so wichtig und
welchen Stellenwert haben dabei die Be-
zugspersonen für das Kind?
Kognitive Entwicklung ist nur möglich, wenn
das Kind in einer emotionalen Beziehung
vertrauensvoll geborgen ist. Ohne Bindung
keine Bildung. Ohne Emotion keine Kogni-
tion. Wir wissen, dass in den ersten sechs
Lebensjahren und insbesondere in den ersten
zwei bis drei Jahren im Gehirn eine enorme
Entwicklung stattfindet. In dieser Zeit wer-
den die wesentlichen Strukturen aufgebaut,
die dann später unsere Hardware ausma-
chen. Das Gehirn wird sozusagen program-
miert, die neuronalen Netzwerke werden
geknüpft. Damit neue Verbindungen zwi-
schen den Nervenzellen möglich sind, müs-
sen allerdings verschiedene Areale im Gehirn
gleichzeitig aktiviert werden, auch der Be-
reich des Gehirns, der für die Gefühlsentste-
hung und -regulierung zuständig ist. Die
Natur hat es so eingerichtet, dass sich das
Gehirn eines Kindes am besten entwickelt,
wenn seine Gefühle mit an-
gesprochen werden. Eine
feinfühlige Bezugsperson
ist somit die Basis für eine
gesunde Entwicklung.
Welche Bedeutung hat
speziell die Mutter-
Kind-Beziehung?
Wir wissen, dass ein Kind
zu einigen wenigen Perso-
nen eine Bindung entwickeln kann, und zwar
zu denen, die sich am intensivsten um das
Kind kümmern. Es ist also durchaus möglich,
dass das Kind zur Mutter, zum Vater und zur
Erzieherin in der Krippe eine Bindung auf-
baut. Es braucht jedoch eine Bezugsperson,
die sich hauptsächlich verantwortlich fühlt –
egal, wer das ist. Es kommt nicht darauf an,
ob das Kind nur von der Mutter oder auch
von einer anderen Person betreut wird, ent-
scheidend ist die Qualität der Betreuungssi-
tuation. Dabei ist Feinfühligkeit von großer
Bedeutung. Feinfühligkeit heißt, die Signale
des Kindes wahrzunehmen, sie richtig zu
interpretieren und prompt sowie angemes-
sen auf diese zu reagieren.
Und wie wichtig ist die väterliche Feinfüh-
ligkeit? Welche Be-
deutung hat sie?
Eltern und Erzieher
müssen auf das
Kind sowohl mit
mütterlicher als
auch mit väterli-
cher Feinfühligkeit
eingehen. Mütterli-
che Feinfühligkeit be-
friedigt eher das Be-
dürfnis des Kin-
des nach Si-
cherheit, vä-
terliche
Feinfühligkeit eher das Bedürfnis nach Kom-
petenz und Autonomie. Die väterliche Fein-
fühligkeit hat bis ins Erwachsenenalter hi-
nein eine große Bedeutung. Bei ihr kommt es
darauf an, das Kind bei seinen Entdeckungen,
auch der eigenen Grenzen, so zu unterstüt-
zen, dass sich das Kind als erfolgreich erlebt.
Das heißt, der Vater macht dem Kind Mut,
wenn es sich etwas nicht zutraut und hilft
ihm dabei, seine Aufmerksamkeit zu steuern,
bei der Sache zu bleiben und weiter zu
probieren. Es geht darum, dem Kind Zu-
trauen zu schenken und ihm zu signalisieren:
wenn du Hilfe brauchst, bin ich da, aber du
kannst das schon.
Können professionelle
Erzieher angesichts
der derzeit herrschen-
den Rahmenbedin-
gungen den emotiona-
len Grundbedürfnis-
sen der Kinder gerecht
werden?
Wir haben in der Masse zu
wenig Betreuer für zu viele Kinder und eine
zu hohe Personalfluktuation. Hinzu kommt,
dass die Ausbildung der Erzieher nicht aus-
reicht. Ihr Auftrag lautet: Kinder bilden, erzie-
hen und betreuen sowie auf die individuellen
Bedürfnisse der Kinder sowohl mit mütterli-
cher als auch mit väterlicher Feinfühligkeit
eingehen. Dafür sind Erzieher oft nicht gerüs-
tet. Wir haben in Bayern viele Kinderpfleger,
die so gut wie keine Ausbildung haben. Man
muss nur die Hauptschule besucht haben
und kann dann, auch ohne Abschluss, zwei
Jahre auf eine Kinderpflegeschule. Ein Tank-
wart und ein Bestatter brauchen drei Jahre
für ihre Ausbildung. Kinderpfleger haben
selbst kaum Bildung, sollen aber Kinder bil-
den. Gerade bei den Kleinsten brauchen Erzie-
her eine hohe diagnostische Kompetenz.
Ist das eine deutsche Besonderheit? Wie
sieht das denn in anderen Ländern aus?
Deutschland und Öster-
reich sind die einzigen Län-
der in Europa, in denen die
Ausbildung zum Erzieher
keine akademische ist. Wir
wissen aus einer Untersu-
chung über vorschulische
Einrichtungen in England,
dass Kinder dann am meis-
ten profitieren, wenn Erzie-
her viel über kindliche Ent-
wicklung und Bildungsinhalte wissen und
darüber hinaus zu den Eltern eine Erziehungs-
partnerschaft aufbauen, in der Bildungsziele
ebenso wie soziale Kompetenz, Sprache und
Gesundheit kommuniziert werden.
Was sollten Eltern beachten, wenn ihr
Kind eine Kita besuchen soll?
Es kommt nicht so sehr darauf an, wann ich
ein Kind in die Kita gebe, sondern wie. Die
Eingewöhnung ist unglaublich wichtig und
muss elternbegleitet, bezugspersonenorien-
tiert und abschiedsbewusst verlaufen. Ziel
der Eingewöhnung ist es, dass das Kind
Vertrauen in die neue Umgebung, zu der
Erzieherin und zu sich fasst. Je nach Entwick-
lungsstand des Kindes fällt die Eingewöh-
nung unterschiedlich aus. Wenn ich ein
sechs Wochen altes Baby in die Krippe oder
Tagespflege gebe, dann ist das sehr schwie-
rig. Bei einem so kleinen Baby muss man sich
auf jeden Fall sechs Wochen Zeit für die
Eingewöhnung nehmen.
Ganz praktisch: was würden Sie raten?
Wenn ich Müttern etwas raten könnte,
würde ich ihnen empfehlen, das Kind im
ersten Halbjahr bis Jahr nicht mehr als zwan-
zig Stunden pro Woche außer Haus betreuen
zu lassen. Kümmert sich nicht hauptsächli-
che die Mutter um das Kind, wird die andere
Betreuungsperson höchstwahrscheinlich die
primäre Bezugsperson. Man kann das in Kauf
nehmen – aber es muss klar sein, dass das
Kind, wenn es abgeholt wird oder wenn es
nachts krank wird, beispielsweise nach der
Tagesmutter weint.
W
ie? Hier gibt es auch einen
Friedrich-Ebert-Platz?
N
ur in unserer westlichen
Kultur lässt man Mütter
mit ihrem Baby so alleine. Eine
gute Kita oder Tagespflege kann
für beide eine entlastende Fami-
lienerweiterung sein.
Fabienne Becker-Stoll
A
n Mütter werden maximale
Ansprüche bei minimaler
Unterstützung gestellt. Frauen
sollen alles aushalten! Anstatt
uns davon zu befreien, beißen
wir die Zähne zusammen.
Fabienne Becker-Stoll
Die Entwicklungspsychologin Fabienne Be-
cker-Stoll leitet seit 2006 das Bayerische
Staatsinstitut für Frühpädagogik (IFP). Das
Institut befasst sich mit Fragen der Bildung,
Erziehung und Betreuung in Tageseinrich-
tungen und betreibt angewandte Forschung
sowie Grundlagenforschung. Becker-Stoll
ist Privatdozentin an der Ludwig-Maximili-
ans-Universität in München. Die Mutter
zweier Kinder habilitierte sich 2004 zum
Thema „Umgang und Entwicklungsaufga-
ben, Autonomie und Bindung bei essgestör-
ten Jugendlichen“. Zu ihren Forschungsthe-
men zählen Eltern-Kind-Beziehungen, Fami-
lieninteraktionen und Bindungsstörungen.
Die Diplompsychologin, die vor ihrem
Wechsel an das IFP am Max-Planck-Institut
für Psychiatrie in München tätig war, ist
Sachverständige für familienpsychologische
Gutachten in der Sachverständigengemein-
schaft Forensische Psychologie. 2007 war
sie Mitherausgeberin des Buches „Die Erzie-
herin-Kind-Beziehung“ (Verlag Cornelsen
Scriptor). Sie hat zahlreiche Beiträge veröf-
fentlicht, zuletzt zum Thema „Welche Bil-
dung brauchen Kinder?“. Der Aufsatz ist im
Band „Bildung und Kindheit“ (Verlag Bar-
bara Budrich) erschienen.
jul
ICH UND 1968
Fabienne Becker-Stoll
Man muss Müttern helfen, für ihr Kind da zu sein
Die Entwicklungspsychologin Fabienne Becker-Stoll fordert Taten statt ideologischer Debatten: Wir brauchen einen Ausbau der Krippen
S
chönes Kuba,
bittere Lehrzeit
Ohne Bindung keine Bildung. Ein
Kind entwickelt sich am besten,
wenn seine Gefühle angesprochen
werden – von klein auf.
Fotos
OBS, Fuchs
Fabienne Becker-Stoll fordert eine bessere
Ausstattung der Krippen.
Foto
Schaefer
47
Samstag, 26. April 2008
Wochenendbeilage der Stuttgarter Zeitung,
MODERNE
ZEITEN