Das
Heidelberger Label Mood-Records veröffentlicht drei CD`s mit Werken von
Wolfgang Dauner
von
Wolfgang Schorlau
Boing, Bumm, Tschak – die Bassmaschine arbeitet hart,
Hockdruckwellen aus den Lautsprecherboxen branden in meine Ohren, meine
Magengegend zählt die Beats mit – it`s Discotime. Als sich über den sphärischen
Blubbergeräuschen und dem stabilen Rhythmusgerüst eine Melodie aufschwingt,
staunt der Hörer: Es handelt sich um Musikstücke des Stuttgarter Pianisten und
Komponisten Wolfgang Dauner. „Dauner zu House“ heißt die neue CD des Heidelberger
Mood-Labels, auf der Wolfgang Haffner Dauners Kompositionen gesampelt, remixed und in nie gehörter Weise
veröffentlicht hat. Sie ist Teil einer Trilogie, die einen Überblick über das
Schaffen Wolfgang Dauners vermittelt, den man eher als herausragenden Jazzpianisten
denn als Komponisten kennt.
Die zweite Platte der Trilogie heißt
schlicht Filmmusik und enthält eine Auswahl von 14 Stücken aus verschiedenen
Filmen.
In „Fadenkreuz“, für den gleichnamigen SAT1
Krimi komponiert, erleben wir eine musikalische Verfolgungsjagd. Elegante
Klavierkaskaden lassen den Gejagten vor unserem geistigen Auge durch die Nacht
flüchten; wuchtige Synthesizerstöße steigern die Spannung. Der Verfolger ist
schon ziemlich nahe gekommen. Dann plötzlich ruhige Geigen; ich kann mir vorstellen,
wie das Opfer jetzt schwer atmend innehält: Bin ich entkommen?
Für die Liebhaber der gerade wiederholten
Krimi-Serie des ZDF mit dem Stuttgarter Rechtsanwalt Jean Abel (Drehbuch: Fred
Breinerdorfer) bietet die CD mit „Abels Ballade“ und „Abels Song“ endlich das
komplette musikalische Thema. Das Fernsehen sendet nur kurze Sequenzen; hier hören wir das
wunderbar melancholische Saxophon einen ganzen Song lang.
Ob bei „Grandison“ oder den heiter barocken
„Julias Tanz“ und „Romeos Tanz“ entsteht nie der Eindruck, Dauner würde zu tief
in die Emotionskiste greifen, um jenen Kitsch auszubreiten, von denen
amerikanische Produktionen häufig triefen. Statt dessen strahlt auch das
kleinste Schnipsel Liebe zum Detail und ist ein „seltenes Beispiel für Filmmusik mit Charme und musikalischer
Substanz“, wie die Fachzeitschrift Jazzpodium feststellt.
„United Jazz and Rock Ensemble plays
Dauner“ heißt die dritte CD. Die bedeutendeste Jazz-Big-Band des alten
Kontinents versammelt auf dieser Scheibe ihre Wolfgang Dauner zu verdankende
Kompositionen, das kraftvolle „Ausgeschlafen“, der ironisch in Titel und
Bläsersatz Händel zitierende „Feuerwerxmusik“. Auch „Tranz Tanz“ fehlt nicht;
ein Stück, mit dem Dauner eine Art Jazz-Gassenhauer gelungen ist und auf dem er
zu meiner großen Freude mit einem blusig anmutendenden Pianosolo vertreten ist.
Jede der drei CD`s zeigt eine andere Seite
Wolfgang Dauners, zusammen geben sie einen Überblick über sein Werk. Schön,
dass er in Stuttgart lebt.
Dauner zu House, Remixed, Mood CD 6662
Wolfgang Dauner, Filmmusik, Mood CD 6672
The United Jazz And Rock Ensemble plays Wolfgang Dauner, Mood CD 6652
Alle drei CD`s sind ausschließlich bei 2001
erhältlich