Drama um eine Erbschaft - ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte

Polit-Krimi. Wolfgang Schorlau hat mit "Das dunkle Schweigen" einen brisanten Thriller geschrieben.

Von Volker Albers

Bereits mit seinem Debüt "Die blaue Liste" hat der in Stuttgart lebende Autor Wolfgang Schorlau vor gut zwei Jahren einen überaus spannenden, dramaturgisch komplex entwickelten und gut recherchierten Kriminalroman vorgelegt. Jetzt ist der zweite Fall seines Ermittlers Georg Dengler erschienen. Und "Das dunkle Schweigen" blickt wie der Erstling "Die blaue Liste", in dem es um die späten RAF-Jahre ging, zurück in die deutsche Geschichte.

Es ist der 1. März des Jahres 1945. Der US-Pilot Steven Blackmore wird mit seiner Maschine in der Nähe von Bruchsal von der deutschen Flak abgeschossen. Mit Hilfe eines Fallschirms schafft es Blackmore zu überleben, er sammelt einige Unterlagen aus seiner zertrümmerten Maschine und macht sich auf den Weg in Feindesland. Auf der Suche nach amerikanischen Truppen gerät er in die deutsche Stadt Gündlingen. Dort will er sich verstecken.

Ein halbes Jahrhundert später erhält Georg Dengler den Auftrag, in einer Erbschaftssache zu ermitteln. Eine rein familiäre Angelegenheit, wie es scheint, 1947 hat der Großvater von Denglers Klienten sein Hotel verschenkt. Die Enkel nun können sich diese Schenkung nicht erklären und erheben Anspruch auf das Hotel. Der Ort, in dem das Objekt der Begierde liegt, heißt Gündlingen.

Wolfgang Schorlau, einst Manager in der IT-Branche, bevor er sich dem Schreiben widmete, gelingt es in "Das dunkle Schweigen" erneut, Fakten und Fiktion auf packende Weise zu vereinen, so daß eine glaubwürdige, klug konstruierte Geschichte entstanden ist. Sie erzählt auch von einem bislang wenig beachteten Thema: dem Verschwinden Zigtausender alliierter Soldaten in Europa und den Lynchmorden an etlichen von ihnen.

Erst eine Reise nach Chicago, wo Dengler den Bluesmusiker Junior Wells spielen sieht, bringt den Detektiv der Lösung des Falles näher. Sie offenbart ein weiteres dunkles Kapitel deutscher Geschichte.

Ärgerlich an diesem Buch sind lediglich die peinlichen Lektoratsfehler (Schreibweise von Jazzmusikernamen!) im letzten Teil des Romans. Da bleibt nur die Hoffnung auf eine baldige zweite Auflage.

Gleichwohl: Wolfgang Schorlau hat sich mit diesem Roman an die Spitze der deutschsprachigen Autoren politischer Kriminalromane gschrieben.

Wolfgang Schorlau: Das dunkle Schweigen. Kiepenheuer & Witsch, 335 Seiten; 7,90 Euro.

erschienen am 7. Januar 2006